Uni Stuttgart: Zugsägen schlagen Kappsägen

Die Universität Stuttgart brachte es an den Tag: Beim Ablängen von Paneelen eignen sich Zugsägen besser als Kappsägen. Zu diesem Test-Ergebnis kam das Institut für Werkzeugmaschinen (IfW), das die Standzeiten von Kreissägeblättern im Vergleich von Kappsägen zu Zugsägen untersuchte. Demnach ist die Standzeit eines in einer Zugsäge eingesetzten Kreissägeblattes zehn- bis elffach länger als die einer Kappsäge. Die Zugsäge liegt auch bei der Schnittkraft vorne. Kappsägen benötigen eine drei- bis viermal höhere Schnittkraft.

Messmikroskop zur Auswertung der Schneidenrundung

Verschleiß unter der Lupe - Messmikroskop zur Auswertung der Schneidenrundung

Der bessere Sägetyp steht fest

Beim Schneiden von Leisten, Paneelen und dergleichen stehen Zugsägen, die sich auch als konventionelle Tischkreissägen einsetzen lassen, in direktem Wettbewerb zu Kappsägen, die ebenso für diese Bearbeitungsvorgänge ausgelegt sind. Der professionelle Anwender steht nun vor dem Problem, welcher Maschinentyp sich wirtschaftlich am besten nutzen lässt. Wo sich bisher der Handwerker auf eigene Erfahrungen verlassen musste, haben nun die Tests deutlich die Wirtschaftlichkeit der Zugsägen belegt. Nach dieser Untersuchung dürfte die Diskussion, welcher Sägentyp zum Ablängen von Paneelen besser geeignet ist, ein Ende haben.

Besseres Kostenverhältnis – höhere Rendite

Eine gewichtige Rolle spielt das Sägeblatt, da dessen Neuanschaffungs- oder Nachschärfkosten für den Anwender in diesem Fall die höchste Priorität besitzt.

Definition der Eckenverrundung als Mass für den Verschleiß

Die Schneide als Basis - Definition der Eckenverrundung als Mass für den Verschleiß

Dem Kunden wirft sich die Frage auf, wie lange mit einem Werkzeug eine gute Qualität erzeugt werden kann, bevor dieses entweder zum Nachschärfen gebracht oder ein Neues angeschafft werden muss. Um diesen Aspekt zu beleuchten, soll im Falle des Sägens von Paneelen ausschließlich das Sägeblatt betrachtet werden. In Vorversuchen wurde festgestellt, dass die Werkzeugstandzeiten bei einer Zugsäge um ein 16-faches gegenüber einer Kappsäge höher lagen.


Vergleichergebnis

Das Vergleichergebnis - Schnittkräfte von neuen und nach 500 Schnitten gebrauchten Sägeblättern

Der Sägentest der Universität Stuttgart

"Im Auftrag der Firma Festool GmbH sollte am Institut für Werkzeugmaschinen der Universität Stuttgart dieser Sachverhalt untersucht werden", so die Verlautbarung der Experten. Am Institut für Werkzeugmaschinen wurden Standzeituntersuchungen von Kreissägeblättern an jeweils zwei Kappsägen und einer Zugsäge mittels Sägen von Laminat durchgeführt.


Die Schneidenverrundung in Abhängigkeit von der Zahl der Schnitte

Bilder: Universität Stuttgart

Als Messgrösse für die Standzeit wurde die Verrundung an der Schneidenecke, die mittels eines Messmikroskops bestimmt werden konnte, sowie die Schnittkräfte, zur Beurteilung herangezogen.


Die Experten-Ergebnisse im Detail

Anwendung der Zugsäge beim Ablängen von Paneelen.

Anwendung der Zugsäge beim Ablängen von Paneelen.

Es zeigt sich, dass die Standzeit eines in einer Zugsäge eingesetzten Kreissägeblattes um das 10 bis 11-faches höher gegenüber den Werkzeugen in Kappsägen ist. Weiterhin zeigt sich, dass die Schnittkräfte nach 500 Schnitten bei Kappsägen das 3-4 fache von Zugsägen betragen. Diese Tatsache begründe sich dadurch, dass bei Kappsägen zunächst ein Eintauchvorgang vor dem eigentlichen Sägeschnitt stattfinde, so das Institut für Werkzeugmaschinen der Universität Stuttgart. Dieser Vorgang führe zu einem schnelleren Verschleiß des Werkzeuges. Bei Zugsägen hingegen werde sofort der Trennschnitt durchgeführt.

Zugsäge im Einsatz als Tischkreissäge.

Zugsäge im Einsatz als Tischkreissäge.

Fotos: Festool

Somit konnte nachgewiesen werden, dass sich Zugsägen beim Ablängen von Paneelen funktionsbedingt besser eignen als Kappsägen.

Jörg Stimpfig – 2002

Mehr Informationen zum Werkzeugverschleiß
(Auszug aus der Vorlesung von Professor Dr. Ing. habil. Tröger)